Entschluss zum Mord

Am Abend des 28. März muss es eine Besprechung zwischen dem Leiter des Judenlagers, HJ-Bannführer Alfred Weber (einem kriegsversehrten ehemaligen Rottenführer der Waffen-SS-Division „Das Reich“!)

HJ-Bannführer Alfred Weber

und drei erst Stunden zuvor im Ort eingetroffenen versprengten Waffen-SS Angehörigen gegeben haben. In dieser Nacht beschlossen die vier, die ungarischen Juden nicht Richtung Westen zu evakuieren, sondern am nächsten Morgen zu liquidieren. Die morgendliche Befehlsausgabe an die ihm unterstehenden HJ-Führer hat Weber am 29. März mit den Worten eingeleitet: „Die Juden werden erschossen“. Dann schritt er zur Aufgabenverteilung. Zwei HJ-Führer sollten jeweils Gruppen von 20 bis 30 Juden in die Nähe des Erschiessungsortes bei der Alten Kirche führen. Dort übernahm ein Waffen-SSler die Gruppe und alle drei Waffen-SS-Angehörigen sollten den Mord bei einem dort angelegten Laufgraben durchführen. Mit zwei Gruppen ungarischer Juden wurde schließlich auf diese Weise verfahren. Um die Arbeitsdienstler in Sicherheit zu wiegen, wurden sie angewiesen Schanzwerkzeug mitzunehmen. Als sich herausstellte, dass der Mord an einer einzigen Gruppe schon eine Stunde in Anspruch nahm, war es Weber bald klar, dass es zeitlich unmöglich war, den gesamten Mordplan vor Ankunft der Roten Armee durchzuführen. Inzwischen dürften den Ungarn schon Gerüchte über die Erschiessungen zu Ohren gekommen sein, oder aber sie wurden misstrauisch. Jedenfalls entschlossen sich etwa 13 Zwangsarbeiter zur Flucht. Einige erhielten im Laufe des Nachmittags im Pfarrhaus

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Überlebender Sándor Künstler

Brief von Sándor Künstler an Pfarrer Farkas 1946

Teilübersetzung des Briefes von Sándor Künstler an Pfarrer Farkas 1946, beides aus Vosko, Strassel. Das Schicksal ..., S. 333

und bei einem Bauern Unterschlupf. Die restlichen ungarischen Arbeitsdienstler wurden im Ort zu Marschkolonnen formiert und von den HJ-Führern sowie den drei Waffen-SS-Soldaten Richtung Hartberg, zum ersten Sammelpunkt der ungarischen Juden aus dem Kreis Oberwart, in Bewegung gesetzt. Auf dem Weg dorthin wurde noch mindestens ein weiterer Zwangsarbeiter bei Jabing aufgrund von Erschöpfung von einem der Waffen-SS-Soldaten kaltblütig erschossen.