Jüdisches Leben

Feste und Feiertage

In der jüdischen Kultur ist das Jahr von bestimmten Festen geprägt. Zum Leben zählen auch Ereignisse und Festakte, die eine wesentliche Rolle für die Person, die Familie und im Glauben einnehmen. Die Festtage beginnen jeweils am Abend (bei Sonnenuntergang) und dauern bis zum Sonnenuntergang des folgenden Tages. Bei den Jahresfesten folgen die Feiertage dem jüdischen Kalender, ihre Dauer ist unterschiedlich lang (ein Tag oder mehrere Tage).

Rosch ha-Schana (Neujahrsfest)

Mit diesem Fest beginnt das jüdische Jahr – ein Tag der Buße, Umkehr und Erneuerung, der an die Erschaffung der Welt erinnert. In der Synagoge wird der Schofar, ein Widderhorn, geblasen. Sein Ton soll die Gläubigen wecken und für das Gespräch mit Gott öffnen. Die zehn Tage von Rosch ha-Schana bis Jom Kippur werden als Bußtage bezeichnet. Das sind die wichtigsten Tage des jüdischen Jahres, weil in der traditionellen Vorstellung während dieser Zeit alle Welt vor dem Thron Gottes gerichtet wird. Seine Urteile werden zu Jom Kippur besiegelt.

Jom Kippur (Versöhnungstag)

Jom Kippur ist der höchste Feiertag im jüdischen Kalender. Zum Gottesdienst am Vorabend besuchen auch viele nicht religiöse Jüdinnen und Juden die Synagoge. Am Versöhnungstag wird der Bund der jüdischen Gemeinschaft mit Gott bekräftigt. Dies ist nur möglich, wenn die Menschen ihre Verfehlungen sühnen. Gebetet wird um Vergebung der Sünden, die gegen Gott, seine Mitmenschen und sich selbst begangen wurden. An Jom Kippur werden die Torarollen aus dem Schrein geholt und der Gemeinde präsentiert.

Sukkot (Laubhüttenfest)

Das siebentägige Laubhüttenfest erinnert an den Auszug der israelischen Stämme aus Ägypten und ist zugleich ein Erntefest. Zum Gedenken an die Wanderung durch die Wüste wird eine Hütte im Freien gebaut, in der die Nacht verbracht wird. Manche jüdische Familien können dies in ihrem eigenen Garten tun. Andere müssen mit einer Sukka auf dem Balkon oder dem Besuch einer Gemeindesukka Vorlieb nehmen.

Simchat Tora (Fest der Gesetzesfreude)

Dieses Fest findet zum Dank für die Tora statt, den grundlegenden heiligen Text des Judentums, der die Gebete und Weisungen Gottes enthält. Die Tora wird von Hand auf Pergament geschrieben, aufgerollt und in einer oft kostbaren Gewandung aus Textilien und Edelmetallschmuck im Tora-Schrein der Synagoge aufbewahrt. Mit dem Schabbat nach Simchat Tora beginnt die neue Folge der in Wochenabschnitte eingeteilten, einjährigen Toravorlesung in der Synagoge.

Chanukka (Weihefest, um christliche Weihnachten)

Das achttägige Lichterfest Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 165 vor der Zeitrechnung. Nach der Entweihung des Zweiten Tempels durch die hellenistischen Eroberer gewannen die jüdischen Makkabäer Jerusalem zurück. Wie durch ein Wunder reichte, so die Legende, ein kleiner Rest geweihten Öls acht Tage lang. Da das Lichterfest in den Dezember fällt, hat es sich Lauf der Zeit mit Traditionen des Weihnachtsfestes vermischt.

Purim (Fest der Lose)

Das ausgelassene Purimfest fällt meist in die Fastnachtszeit und erinnert an die biblische Erzählung von Königin Esther und ihrem Onkel Mordechai. Sie verhindern die geplante Vernichtung der persischen Juden durch ihren Gegner, den Wesir Haman. Zu Purim verkleiden sich die Kinder und Erwachsene als Esther, Mordechai und als Bösewicht Haman.

Pessach (Fest des Übergangs, um christliche Ostern)

Das achttägige Pessachfest ist dem Gedenken an die Befreiung der jüdischen Stämme aus der Sklaverei in Ägypten gewidmet. An Pessach gelten strenge Reinheitsgebote, wobei es verboten ist, mit Sauerteig zubereitetes Brot zu essen oder auch nur im Haus aufzubewahren. Das Fest erinnert daran, dass die Juden während des Auszugs aus Ägypten aus Zeitmangel nur ungesäuertes Brot, Mazza, herstellen konnten. Die Familie beginnt Pessach am Vorabend mit dem Seder, einer Feier, die die letzte Mahlzeit der Juden im Exil symbolisiert. Der Geschmack der vorgeschriebenen Speisen erinnert an die Erfahrungen der in Ägypten im Exil gefangenen Jüdinnen und Juden.

Schawuot (Wochenfest)

Am 50. Tag nach Pessach findet das Wochenfest statt, an dem der Offenbarung der Zehn Gebote am Sinai gedacht wird. Traditionell wird die ganze Nacht mit dem Torastudium verbracht. Gleichzeitig wird für die Ernte gedankt, indem die Synagoge und Wohnhäuser mit frischem Grün und Blumen geschmückt werden.

Schabbat (Tag der Ruhe)

Der Schabbat bezeichnet den wöchentlichen jüdischen Feiertag. Er beginnt Freitagabend nach Einbruch der Dämmerung und endet Samstagabend bei Dunkelheit. Traditionell gilt der Schabbat als Tag der Ruhe, des Studiums und der Familie. Das Kennzeichen des Schabbat ist ein allgemeines Arbeitsverbot. Der „Tag der Ruhe“ erinnert an das Ausruhen Gottes am siebten Tag nach der Schöpfung der Welt.